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ICD-10-GM-2012 Systematik online lesen
ICD-10-GM-2012 > F00-F99 > F80-F89 > F84.-
F80-F89
Entwicklungsstörungen
Info.:
Die in diesem Abschnitt zusammengefassten Störungen haben folgende
Gemeinsamkeiten:
a) Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit;
b) eine Entwicklungseinschränkung oder -verzögerung von Funktionen, die eng
mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind;
c) stetiger Verlauf ohne Remissionen und Rezidive.
In den meisten Fällen sind unter anderem die Sprache, die visuellräumlichen
Fertigkeiten und die Bewegungskoordination betroffen. In der Regel bestand
die Verzögerung oder Schwäche vom frühestmöglichen Erkennungszeitpunkt an.
Mit dem Älterwerden der Kinder vermindern sich die Störungen zunehmend,
wenn auch geringere Defizite oft im Erwachsenenalter zurückbleiben.
F84.-
Tief greifende Entwicklungsstörungen
Info.:
Diese Gruppe von Störungen ist gekennzeichnet durch qualitative
Abweichungen in den wechselseitigen sozialen Interaktionen und
Kommunikationsmustern und durch ein eingeschränktes, stereotypes,
sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten.
Diese qualitativen Auffälligkeiten sind in allen Situationen ein
grundlegendes Funktionsmerkmal des betroffenen Kindes.
Sollen alle begleitenden somatischen Zustandsbilder und eine
Intelligenzminderung angegeben werden, sind zusätzliche
Schlüsselnummern zu benutzen.
F84.0
Frühkindlicher Autismus
Info.:
Diese Form der tief greifenden Entwicklungsstörung ist durch eine
abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung definiert, die sich vor
dem dritten Lebensjahr manifestiert. Sie ist außerdem
gekennzeichnet durch ein charakteristisches Muster abnormer
Funktionen in den folgenden psychopathologischen Bereichen: in der
sozialen Interaktion, der Kommunikation und im eingeschränkten
stereotyp repetitiven Verhalten. Neben diesen spezifischen
diagnostischen Merkmalen zeigt sich häufig eine Vielzahl
unspezifischer Probleme, wie Phobien, Schlaf- und Essstörungen,
Wutausbrüche und (autodestruktive) Aggression.
Inkl.:
Autistische Störung
Frühkindliche Psychose
Infantiler Autismus
Kanner-Syndrom
Exkl.:
Autistische Psychopathie (F84.5)
F84.1
Atypischer Autismus
Info.:
Diese Form der tief greifenden Entwicklungsstörung unterscheidet
sich vom frühkindlichen Autismus entweder durch das Alter bei
Krankheitsbeginn oder dadurch, dass die diagnostischen Kriterien
nicht in allen genannten Bereichen erfüllt werden. Diese
Subkategorie sollte immer dann verwendet werden, wenn die abnorme
oder beeinträchtigte Entwicklung erst nach dem dritten Lebensjahr
manifest wird und wenn nicht in allen für die Diagnose Autismus
geforderten psychopathologischen Bereichen (nämlich wechselseitige
soziale Interaktionen, Kommunikation und eingeschränktes,
stereotyp repetitives Verhalten) Auffälligkeiten nachweisbar sind,
auch wenn charakteristische Abweichungen auf anderen Gebieten
vorliegen. Atypischer Autismus tritt sehr häufig bei schwer
retardierten bzw. unter einer schweren rezeptiven Störung der
Sprachentwicklung leidenden Patienten auf.
Inkl.:
Atypische kindliche Psychose
Intelligenzminderung mit autistischen Zügen
Info.:
Soll eine Intelligenzstörung angegeben werden, ist eine zusätzliche
Schlüsselnummer (F70-F79) zu benutzen.
F84.2
Rett-Syndrom
Info.:
Dieses Zustandsbild wurde bisher nur bei Mädchen beschrieben; nach
einer scheinbar normalen frühen Entwicklung erfolgt ein teilweiser
oder vollständiger Verlust der Sprache, der lokomotorischen
Fähigkeiten und der Gebrauchsfähigkeiten der Hände gemeinsam mit
einer Verlangsamung des Kopfwachstums. Der Beginn dieser Störung
liegt zwischen dem 7. und 24. Lebensmonat. Der Verlust
zielgerichteter Handbewegungen, Stereotypien in Form von
Drehbewegungen der Hände und Hyperventilation sind
charakteristisch. Sozial- und Spielentwicklung sind gehemmt, das
soziale Interesse bleibt jedoch erhalten. Im 4. Lebensjahr beginnt
sich eine Rumpfataxie und Apraxie zu entwickeln, choreo-athetoide
Bewegungen folgen häufig. Es resultiert fast immer eine schwere
Intelligenzminderung.
F84.3
Andere desintegrative Störung des Kindesalters
Info.:
Diese Form einer tief greifenden Entwicklungsstörung ist - anders
als das Rett-Syndrom - durch eine Periode einer zweifellos
normalen Entwicklung vor dem Beginn der Krankheit definiert. Es
folgt ein Verlust vorher erworbener Fertigkeiten verschiedener
Entwicklungsbereiche innerhalb weniger Monate. Typischerweise wird
die Störung von einem allgemeinen Interessenverlust an der Umwelt,
von stereotypen, sich wiederholenden motorischen Manierismen und
einer autismusähnlichen Störung sozialer Interaktionen und der
Kommunikation begleitet. In einigen Fällen kann die Störung einer
begleitenden Enzephalopathie zugeschrieben werden, die Diagnose
ist jedoch anhand der Verhaltensmerkmale zu stellen.
Inkl.:
Dementia infantilis
Desintegrative Psychose
Heller-Syndrom
Symbiotische Psychose
Info.:
Soll eine begleitende neurologische Krankheit angegeben werden, ist
eine zusätzliche Schlüsselnummer zu benutzen.
Exkl.:
Rett-Syndrom (F84.2)
F84.4
Überaktive Störung mit Intelligenzminderung und
Bewegungsstereotypien
Info.:
Dies ist eine schlecht definierte Störung von unsicherer
nosologischer Validität. Diese Kategorie wurde für eine Gruppe von
Kindern mit schwerer Intelligenzminderung (IQ unter 35)
eingeführt, mit erheblicher Hyperaktivität,
Aufmerksamkeitsstörungen und stereotypen Verhaltensweisen. Sie
haben meist keinen Nutzen von Stimulanzien (anders als Kinder mit
einem IQ im Normbereich) und können auf eine Verabreichung von
Stimulanzien eine schwere dysphorische Reaktion - manchmal mit
psychomotorischer Entwicklungsverzögerung - zeigen. In der
Adoleszenz kann sich die Hyperaktivität in eine verminderte
Aktivität wandeln, ein Muster, das bei hyperkinetischen Kindern
mit normaler Intelligenz nicht üblich ist. Das Syndrom wird häufig
von einer Vielzahl von umschriebenen oder globalen
Entwicklungsverzögerungen begleitet. Es ist nicht bekannt, in
welchem Umfang das Verhaltensmuster dem niedrigen IQ oder einer
organischen Hirnschädigung zuzuschreiben ist.
F84.5
Asperger-Syndrom
Info.:
Diese Störung von unsicherer nosologischer Validität ist durch
dieselbe Form qualitativer Abweichungen der wechselseitigen
sozialen Interaktionen, wie für den Autismus typisch,
charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen,
sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die
Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch
fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden
Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung.
Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit
einher. Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die
Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. Gelegentlich
treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf.
Inkl.:
Autistische Psychopathie
Schizoide Störung des Kindesalters
F84.8
Sonstige tief greifende Entwicklungsstörungen
F84.9
Tief greifende Entwicklungsstörung, nicht näher bezeichnet

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ICD Code 2012  -  Dipl.-Ing. (FH) Björn Krollner  -  Dr. med. Dirk M. Krollner