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ICD-10-GM-2014 Systematik online lesen
ICD-10-GM-2014 > F00-F99 > F40-F48 > F43.-
F40-F48
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
Exkl.:
In Verbindung mit einer Störung des Sozialverhaltens (F91.-, F92.8)
F43.-
Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
Info.:
Die Störungen dieses Abschnittes unterscheiden sich von den übrigen
nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern
auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren: ein
außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute
Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im
Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat
und eine Anpassungsstörung hervorruft. Obwohl weniger schwere
psychosoziale Belastungen ("life events") den Beginn und das
Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses
Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische
Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie
zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen
Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder
notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der
Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier
aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren
Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende
Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre
und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne
ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes
können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder
kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche
Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu
Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.
F43.0
Akute Belastungsreaktion
Info.:
Eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht
manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche
physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im
allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die
individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden
Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten
und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die
Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes
Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen
Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer
Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem
Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation
folgen (bis hin zu dissoziativem Stupor, siehe F44.2) oder aber
ein Unruhezustand und Überaktivität (wie Fluchtreaktion oder
Fugue). Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie,
Schwitzen und Erröten treten zumeist auf. Die Symptome erscheinen
im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis
und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von
Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie (siehe F44.0)
bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome
andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen
werden.
Inkl.:
Akut:
. Belastungsreaktion
. Krisenreaktion
Kriegsneurose
Krisenzustand
Psychischer Schock
F43.1
Posttraumatische Belastungsstörung
Info.:
Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf
ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder
längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder
katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe
Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie
bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge
oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die
Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen
Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder
notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu
erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des
Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen,
Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund
eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler
Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit
gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung
gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und
Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.
Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit
Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und
Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den
genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken
sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz,
die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist
wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung
erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele
Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde
Persönlichkeitsänderung (F62.0) über.
Inkl.:
Traumatische Neurose
F43.2
Anpassungsstörungen
Info.:
Hierbei handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und
emotionaler Beeinträchtigung, die im allgemeinen soziale
Funktionen und Leistungen behindern und während des
Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung
oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die Belastung
kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei
einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere
Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei
Emigration oder nach Flucht). Sie kann auch in einem größeren
Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch,
Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und
Ruhestand). Die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität
spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der
Anpassungsstörung eine bedeutsame Rolle; es ist aber dennoch davon
auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht
entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen
depressive Stimmung, Angst oder Sorge (oder eine Mischung von
diesen). Außerdem kann ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen
Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder
fortsetzen zu können. Störungen des Sozialverhaltens können
insbesondere bei Jugendlichen ein zusätzliches Symptom sein.
Hervorstechendes Merkmal kann eine kurze oder längere depressive
Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des
Sozialverhaltens sein.
Inkl.:
Hospitalismus bei Kindern
Kulturschock
Trauerreaktion
Exkl.:
Trennungsangst in der Kindheit (F93.0)
F43.8
Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung
F43.9
Reaktion auf schwere Belastung, nicht näher bezeichnet

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ICD Code 2014  -  Dr. Björn Krollner  -  Dr. med. Dirk M. KrollnerKardiologe Hamburg
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